Vom ehrbaren Kaufmann (Nachrichten)
Vom ehrbaren Kaufmann
Gier und Verantwortungslosigkeit vieler Manager haben zur aktuellen Wirtschaftskrise maßgeblich beigetragen.
Wollen Führungskräfte - insbesondere Banker - das verlorene Vertrauen zurückgewinnen, sollten sie fünf Regeln beachten.
1. Ehrlichkeit
Transparenz und Ehrlichkeit sind das oberste Gebot. Nur dann kann Vertrauen zurückgewonnen werden
2. Nachhaltigkeit
Die Banker sollten nur Geschäftsmodelle verfolgen, die über Jahrzehnte tragfähig sind. Sie müssen sich dabei vergewissern, dass sie den Zweck eines Geschäfts nicht mit seinen Mitteln verwechseln. Denn je mächtiger ein Mittel ist, desto leichter zieht es alle Aufmerksamkeit und Erwartung auf sich und verdeckt damit den eigentlichen Zweck. Und welches Mittel wäre wohl mächtiger als das Geld? Aber Geld ist das Mittel, und die Geschäftsidee ist der Zweck! Ein Lebensmittelkonzern produziert nicht Gewinn, sondern Lebensmittel, und ein Autobauer stellt auch keinen Gewinn her, sondern Autos. Die Akteure verzichten auch darauf, jede Regulierungslücke listig auszunutzen, etwa indem sie jedes Steuerschlupfloch zum Geschäftsmodell ausbauen. Das Beispiel Cross-Border-Leasing, bei dem deutsche Kommunen ihr Abwassernetz oder ihre Straßenbahnen an amerikanische Investoren verkauft und dann zurückgeleast haben, zeigt, wie wenig belastbar solche Modelle sind: Stopft der Staat das Loch, bricht das Modell zusammen. Ein seriöser Banker wird aus eigener Überzeugung einem durchschnittlichen Anleger raten, konservativ anzulegen. Er wird ihn nicht verleiten, sich in den Rausch schnellen Geldes zu stürzen.
3. Geduld
Die Finanzakteure sollten bei der Verfolgung ihrer Unternehmensziele Geduld aufbringen. Sie sollten die Unternehmensleistung nicht einseitig anhand des kurzfristigen monetären Gewinns bestimmen, sondern den gesamten Katalog der Erfolgsfaktoren - etwa Kunden- oder Mitarbeiterzufriedenheit - berücksichtigen. Wenn das Management jeden Broker in den Wettbewerb um Quartals-, Monats- oder sogar Tagesergebnisse treibt, wenn also nur kurzfristige Opportunitäten belohnt werden, kann niemand erwarten, dass das Unternehmen rechtzeitig auf Krisen reagieren kann; bei einer Durststrecke verliert solch eine Organisation schnell die Orientierung und im schlimmsten Fall jeden Zusammenhalt.
4. Maßhalten
Auch die Vergütung der Manager sollte ethischen Maßstäben folgen. Zunächst sind Eigentümer und leitende Angestellte natürlich grundsätzlich frei, ihre Verträge nach ihren Wünschen zu gestalten. Wollen sie sich dabei von der Vernunft leiten lassen, so achten auch sie die Prinzipien der Gerechtigkeit, der Transparenz und der Nachhaltigkeit. Das stellt an die Beteiligten einen hohen ethischen Anspruch: Als erste Diener ihrer Firma beschränken sie die Vergütungen in der Summe auf einen marktgerechten Umfang. Alles, was darüber liegt, ist ein illegitimer Griff in die eigene Unternehmenskasse. Manager sollten nicht nur durch Boni von den Gewinnen profitieren, sondern auch für Verluste haften. Das setzt allerdings die Entwicklung von Modellen voraus, die es erlauben, den Einfluss einzelner Führungskräfte auf die Unternehmensentwicklung fair zu bewerten.
5. Selbstverantwortung
Die Akteure speziell in der Finanzwirtschaft sollten schließlich den Ruf ihrer Branche pflegen. Alle Wettbewerber sollten die eigenen Geschäftsgrundsätze in branchenweiten Qualitätssiegeln zusammenfassen und so als selbst auferlegte Regeln verbindlich machen. Auf diesem Wege lässt sich eine Überregulierung durch den Staat vermeiden, die den Anbietern die Gestaltungsfreiheit und den Verbrauchern die Produktvielfalt nähme.
Quelle: http://www.harvardbusinessmanager.de/heft/artikel/a-638722-4.html
gesamter Thread:
- Vom ehrbaren Kaufmann - Achim
, 25.09.2009, 14:12 (Nachrichten)



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